württembergische und badische Schmalspurmodelle in Spur 0e

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KAE 8 und 10.1
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Kreis Altenaer Eisenbahn, K.A.E.

Personenwagen Nr.8 und Nr.10

Waggonfabrik Uerdingen 1906 - 1908



Auch diese beiden Wagen entstanden teilweise aus Bausätzen von Axel Hartig. Es waren neben dem KAE Personenwagen Nr. 26 die letzten Bausätze die er auslieferte. Axel konnte nur dadurch überzeugt werden dieses Projekt zu verwirklichen, daß ich das Dach als 3D Modell konstruierte und für Ihn herstellen ließ. Deshalb kann mit Sicherheit gesagt werden, daß von beiden Wagen zusammen nur 20 Bausätze hergestellt wurden. Es sind kleine Schmalspurraritäten sowohl in Spur 0, wie auch beim Vorbild.


Bei der KAE waren die beiden Wagen Einzelexemplare. Im Kenning-Buch zur KAE beschreibt Wolf Groote, daß die Wagen Nr.8 – Nr.10 vermutlich 1906 -1908 bei der Waggonfabrik Uerdingen beschafft wurden. Nur der Wagen Nr.8 war bis zur Einstellung des Personenverkehrs 1961 im Bestand. Der Wagen Nr.10 wurde vermutlich schon Ende der 1920er Jahre in einen Packwagen umgebaut. An dieser Stelle möchte ich Wolf Groote herzlich danken. Er ist mir immer wieder mit Hinweisen, Fotos und Unterlagen zum Vorbild behilflich, wenn ich meine KAE Modelle baue.


Die Spurweite der KAE betrug 1000 mm, also im Modell Spur 0m. Da ich bei meinen Schmalspur-Fahrzeugen keine unterschiedlichen Spurweiten haben möchte, wählte ich die Spurweite 750 mm der württembergischen Sachmalspurbahnen. Vorbild widrig sind meine Modelle deshalb in der Spur 0e gebaut. Ich glaube, daß dies ohne Ansage den wenigsten Betrachtern auffällt.


Die einzelnen Teile der Bausätze von Axel Hartig werden von mir zunächst in „wird verwendet“ und „wird nicht verwendet“ sortiert. Grundsätzlich werden die Fahrgestelle der Wagen mit Messing-Gußteilen aus meinem eigenen Programm gebaut. Neben den gefederten Achsen wird die komplette Saugluft- Bremsanlage, die Handbremseinrichtung und die Heizleitung nachgebildet. Zusätzlich wurden die Gaskessel für beiden Wagen und die Gasleitungen zu den Gaslaternen auf dem Dach nachgebildet.


Die den Bausätzen beigefügten Ätzteile der Bühnen konnten nicht verwendet werden. Zugute kam, daß ich auf Ätzplatinen für andere Fahrzeuge noch Platz hatte und dort neu konstruierte Bühnen unterbringen konnte. Die Niete sind von hinten angeätzt. Mit der Niete-Presse können sie so exakt gedrückt werden. Mit feinen Messingstreifen werden die Deckprofile und Handläufe dargestellt.


Durch die großflächigen Fenster haben die Wagen eine große Transparenz, die es nicht zuläßt auf die Inneneinrichtung zu verzichten. Originalfotos auf denen das Innere der Wagen abgebildet ist, sind mir nicht bekannt. Da die Türen an den Stirnwänden beider Wagen asymmetrisch angeordnet sind, war klar, daß es keine 2+2 Sitzbänke geben konnte. In der Literatur wird beschrieben, daß der Wagen Nr.8 auf der breiten Seite sich gegenüberstehende 2er Sitzbänke hat und auf der schmalen Seite eine Längsbank angeordnet war. Dort wird auch beschrieben, daß der Wagen Nr.10 auf der schmalen Seite Einsersitzbänke in derselben Anordnung wie die Zweiersitzbänke hatte. Da ich im Fundus aus einer früheren Bausatzaktion noch Sitzbänke aus Kunststoff hatte, wurden diese passend gemacht und auf Kunststoffplatten geklebt. Diese werden bei der Endmontage an den Bodenprofilen des Gehäuses mit Schrauben befestigt.


Mit der Verglasung stellte sich noch eine besondere Herausforderung. Wegen der sehr schmalen Stege zwischen den Fenstern, ist es nicht möglich, die 0,2 mm Plexiglas Streifen einzukleben. Zum einen würden die Glasflächen durch den Klebstoff verschmiert und zum anderen würden die Gläser nach kurzer Zeit durch das Anfassen eingedrückt. Deshalb habe ich an der oberen Kante des Wagenkastens Winkelprofile im Abstand von 0,3 mm zur Außenwand angelötet. In den Spalt wird das Plexiglas nach der Lackierung eingeschoben. Damit die Gläser nicht nach unten herausrutschen, bekamen die Inneneinrichtungen Wände in Brüstungshöhe. Auf den Außenseiten dieser Brüstungen wurden an der oberen Kante 0,3 mm tiefe Nuten gefräst, mit deren Hilfe von unten die Gläser abgestützt und an die Wand gepresst werden.


Wie immer bei meinen Projekten wurden auch diese Wagen in Baugruppen geteilt, die nach der Lackierung bei der Endmontage miteinander verschraubt werden. Die Baugruppen wurden so gewählt, daß der Aufwand für das Abkleben bei der Lackierung minimiert war. Bei diesen Wagen ließ es sich nicht vermeiden, daß trotzdem umfangreiche Abklebearbeiten notwendig waren. Hier Ablauf bei der Lackierung des Wagenkastens:


- sandstrahlen

- reinigen mit Scheuermilch und spülen mit warmem Wasser

- Preßluft trocknen

- Grundierung

- Zwischenschliff naß Körnung 400 und spülen mit warmem Wasser

- Preßluft trocknen

- lackieren der Innenwand über der Brüstung RAL 1014

- abkleben und lackieren der Deckenteile RAL 1013

- abkleben und lackieren der Innenwände Brüstung RAL 8012

- abkleben und lackieren der Außenwände RAL 6008

- abkleben und lackieren der Deckleisten und RAL 9005

- abkleben und lackieren der Raucher/Nichtraucher Schilder

- Beschriftung aufbringen (Naßschieber)

- mit dem Pinsel Türgriffe und Konsolen farblich absetzen

- Klarlack zweimal auftragen


Für die beiden Wagen hat diese Prozedur drei Wochen beansprucht. Dabei ist es wichtig, zwischen der Lackierung und dem Abkleben für den nächsten Schritt genügend Trockenzeit einzuräumen. Die Gefahr ist groß, daß sich bei zu frischem Lack die Gummierung der Klebefolie auf dem Lack abzeichnet (insbesondere bei lösungsmittelhaltigem Lack).


Zur Farbgebung und Beschriftung dieser Wagen in der Epoche II Mitte/Ende der 1920er Jahren habe ich keine konkrete Quelle gefunden. Sie waren mit hoher Wahrscheinlichkeit grün lackiert, entsprechend dem Farbschema der DRG. Ich habe deshalb den Farbton Braungrün RAL 6008 gewählt und die Beschriftung am Musterblatt der DRG Personenwagen ausgerichtet.


Meine Modelle weichen in zwei Details bewußt vom Vorbild ab. Zum einen verwende ich bei meinen Schmalspurmodellen seit ein paar Jahren die halbautomatischen Kupplungen mit Kuppeleisen von Martin Zeunert. Diese weichen von den sehr dominanten großen Pufferplatten des Vorbilds deutlich ab. Zum zweiten habe ich auf die Tropfbleche am Dach über den Bühnen verzichtet. Diese waren bei den Wagen Nr.8 und Nr.10 bei der Auslieferung nicht vorhanden. Zumindest beim Wagen Nr.8 wurden sie irgendwann (30er Jahre?) nachgerüstet. Diese Bleche sind zwar für die KAE Personenwagen charakteristisch, ich finde jedoch, daß sie die filigrane Erscheinung der Wagen stören.


Die beiden KAE Personenwagen sind schöne Erinnerungsstücke an unseren Modellbahnfreund Axel Hartig. Mit seinen Spur 0m/0e Bausätze hat er uns über viele Jahre hinweg immer wieder überrascht und Freude bereitet.